Rampenlicht

  • Geboren in Wuppertal-Elberfeld, aufgewachsen in München
  • Studium Violine, Klavier und Dirigieren an der Staatlichen Musikhochschule München
  • 1.Kapellmeister Theater Passau, Staatstheater Cottbus, stellvertretender Generalmusikdirektor Ulm. Gastdirigate Gärtnerplatztheater München, Theater Chemnitz, Theater Brünn, Mainfranken Theater Würzburg, Staatstheater Oldenburg, Theater Regensburg, Teatro Lauro Rossi Macerata, Teatro Colón Buenos Aires, Opéra de Monte-Carlo, Volksoper Wien.
  • Auf jenen „Brettern, die die Welt bedeuten“ sind Höhenflüge, wie auch das Gegenteil möglich. Klänge, die mir unvergesslich bleiben, erlebte ich dirigierend im Gewandhaus Leipzig, Palau de la Musica Barcelona, Festspielhaus Baden-Baden, Teatro Colón Buenos Aires, Berliner Philharmonie, Orpheum Vancouver, Brixner Dom, Wiener Konzerthaus, Salle Wilfried Pelletier Montreal.
  • International tätig als Dirigent
  • Zahlreiche Länder und Sprachen, unterschiedlichste Menschen, Konzertsäle und Opernhäuser - eine Verbindung: Musik.

Portrait

Daniel Beyer

Einladungen zahlreicher Orchester erfolgten, wodurch sich Daniel Beyer auch international zunehmend profilieren konnte. Genannt seien die Hamburger Symphoniker, die Tschechische Staatsphilharmonie Brünn, das Münchner Rundfunkorchester, die Camerata Salzburg, die NDR Radiophilharmonie, das Haydn-Orchester Bozen, die Staatsphilharmonie Rheinland Pfalz, das Vancouver Symphony Orchestra, das Stuttgarter Kammerorchester, das Qatar Philharmonic Orchestra, die Württembergische Philharmonie, das L‘Orchestra Filarmonica Marchigiana und die Staatskapelle Halle, mit welcher Daniel Beyer 2002 die Gustav Mahler Wochen in Toblach eröffnete.
„Mahlers „Auferstehungssinfonie“ bildet einen Kosmos, Gegensätzlichkeit wird auf die Spitze getrieben. Das Eröffnungskonzert der Mahler-Wochen Toblach übertraf alle Erwartungen! In Daniel Beyer begegnet uns ein Dirigent, welcher hohe musikalische Intelligenz und Suggestionskraft vereint. Es gelang ihm eine bewegende, stürmisch aufgepeitschte Interpretation von Mahlers 2. Sinfonie, die in der Wahl der Tempi ausnahmslos überzeugte. Der Dirigent entlockte dem Orchester (Staatskapelle Halle) mitreissende Energie, sorgte mit aussergewöhnlichem Feingefühl für das Gleichgewicht zwischen Orchester und Stimmen (Sonderlob: Yvonne Naef) und verdeutlichte die erschütternden Abgründe bis zum Auferstehungschor in bezwingender Weise. (Neue Südtiroler-Zeitung).
Eine langjährige Zusammenarbeit mit den Mahler-Wochen nahm ihren Anfang, ebenso wurde Daniel Beyer mehrfach zum Schleswig Holstein Musikfestival eingeladen, zusammen mit dem Georgischen Kammerorchester und dem Trompeter Reinhold Friedrich. Er konzertierte ausserdem u.a. mit Arabella Steinbacher, Johannes Moser, Francois Leleux, Matthias Kirschnereit, Lukas Vondracek und Anna Gourari.

“Von Herzen möge es wieder zu Herzen gehen” - hat Beethoven seiner “Missa Solemnis” mit auf den Weg gegeben. Direkter und und ehrlicher, kann Anspruch und Wirkung einer Verbindung durch Musik kaum benannt werden.
Mit der Chor- und Sakralmusik, von Bach bis Strawinsky und Avo Pärt, befasst sich Daniel Beyer von Beginn seiner Tätigkeit an, sie bildet ein Zentrum seines Interesses.
“Unter akustisch verschiedensten Voraussetzungen, in Kirchen und Konzertsälen, verliert diese Musik ihre Aussage nicht. Der Spiegel des Seins wird einem vorgehalten”.
Besonders das Brahms-Requiem mit dem Philharmonischen Chor Brünn, Strawinsky’s Psalmensinfonie im Dom von Siena, sowie das Requiem von Mozart mit dem Bachchor Salzburg blieben herausragende Eindrücke für den Dirigenten.

An der Volksoper Wien debütierte Daniel Beyer 2012 mit einer Vorstellungsserie „Das Land des Lächelns“. Mehr als 40 Bühnenwerke hatte er zu diesem Zeitpunkt dirigiert, und die Anforderungen des Opernbetriebs an verschiedenen Theatern erlernt.
Er war 1. Kapellmeister am Brandenburgischen Staatstheater Cottbus und stellvertretender Generalmusikdirektor am Theater Ulm. Gastspiele führten ihn an die Theater Chemnitz, Oldenburg, Brünn, Würzburg, das Teatro Colón Buenos Aires, Teatro Lauro Rossi Macerata, das Gärtnerplatztheater und die Opéra de Monte Carlo.
Dabei bereicherte ihn die Zusammenarbeit mit Sängerinnen und Sängern wie Eva Mei, Yvonne Naef, Edith Wiens, Valentina Farcas, Roman Trekel, Andrè Schuen, Daniel Johannsen und Peter Seiffert wesentlich.
Operndirigate sind Detaillarbeit, die Erfahrungen unerlässlich und auch herb. “Die Protektion dauert bis zum dritten Klingelzeichen” “sagte mir einer meiner Lehrer”, und Daniel Beyer meint weiter: “Für jeden Kapellmeister schlägt die Stunde der Wahrheit im Operngraben. Selten sind die Bedingungen optimal, und man muss wirklich sehr fokussiert und deutlich vermitteln können, wohin der Abend gehen soll. Wenn die Motivation gelingt, der ‚Siedepunkt’ für alle Beteiligten spürbar ist, kann sich Unvergleichliches einstellen. Ich glaube, Oper wird auch weiterhin aktuell bleiben, denn die Sogwirkung ihrer Inhalte kann auch durch modische Sichtweisen nicht abgeschwächt werden. Nicht zu vergessen, dass sich durch die Musik eine Dimension eröffnet, welche Gleichzeitigkeit, Rück- und Vorblende, Stillstand, und Reflexion des Geschehens ermöglicht. Denken Sie an Mozarts Da Ponte-Zyklus, Wagners “Ring” oder beispielsweise an “Hoffmanns Erzählungen” - hier wird ja bereits die Technik des Films
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Repertoire


OPER

GLUCK
ALCESTE

MOZART
IDOMENEO
ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL
LE NOZZE FIGARO
COSI FAN TUTTE
DON GIOVANNI
DIE ZAUBERFLÖTE
DER SCHAUSPIELDIREKTOR
BETULIA LIBERATA

WEBER
DER FREISCHÜTZ

ROSSINI
L`ITALIANA IN ALGERI
LA CENERENTOLA

CIMAROSA
IL MATRIMONIO SEGRETO

DONIZETTI
LUCIA DI LAMMERMOOR

BIZET
CARMEN

FLOTOW
MARTHA

NICOLAI
DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR

LORTZING
ZAR UND ZIMMERMANN
DER WILDSCHÜTZ

WAGNER
DER FLIEGENDE HOLLÄNDER
LOHENGRIN
DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG

VERDI
AIDA
LA TRAVIATA
IL TROVATORE
MACBETH
OTELLO

OFFENBACH
HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN
DIE SCHÖNE HELENA

LEONCAVALLO
BAJAZZO

MASCAGNI
CAVALLERIA RUSTICANA

PUCCINI
MADAME BUTTERFLY
GIANNI SCHICCI
TOSCA
LA BOHEME

HUMPERDINCK
HÄNSEL UND GRETEL

SAINT SAENS
SAMSON UND DALILA

STRAUSS
ARABELLA (Auszüge)
ARIADNE AUF NAXOS
DER ROSENKAVALIER
SALOME

BERG
WOZZECK

BRTTEN
SOMMERNACHTSTRAUM

DE FALLA
LA VIDA BREVE

ORFF
DER MOND

ZEMLINSKY
DER ZWERG

OPERETTE

DIE FLEDERMAUS
EINE NACHT IN VENEDIG
DER ZIGEUNERBARON
WIENER BLUT - Johann Strauß

DIE LUSTIGE WITWE - Franz Lehár
DAS LAND DES LÄCHELNS - Franz Lehár
DER VOGELHÄNDLER - Carl Zeller
DER OPERNBALL - Richard Heuberger
GASPARONE - Karl Millöcker
EIN WALZERTRAUM - Oscar Straus
FRAU LUNA - Paul Lincke

ANATEVKA
DAS FEUERWERK
PHANTOM DER OPER



BALLETT

HAUS DER SCHATTEN - Benjamin Britten
DER DREISPITZ - Manuel de Falla
RAYMONDA - Alexander Glasunow
LA FILLE MAL GARDÉE - Ferdinand Herold
LES PETITS RIENS - W.A. Mozart
PANTALON E COLOMBINE - W.A. Mozart
JEUX DE CARTES - Igor Strawinsky
APOLLON MUSAGETE - Igor Strawinsky
GISELLE - Adolphe Adam
SCHWANENSEE - Peter Tschaikowsky
DORNRÖSCHEN - Peter Tschaikowsky


Galerie

Wegweiser

Der "Wegweiser" führt zu selbst verfassten Texten, Gedanken, Erinnerungen, Persönlichem, Hinweisen, Bekanntem und Ungewöhnlichem.

ANTON BRUCKNERS

TÖNENDER GLANZ

Anton Bruckner und die von ihm geschaffene Musik entziehen sich dem Vergleich.
Einzigartig ragt das Gebirge seiner monumental ausgedehnten Sinfonien,


GUSTAV MAHLER

Kindertotenlieder

Sommer 1901 und 1904 in Maiernigg/ Wörthersee
Texte aus der Anthologie „Kindertodtenlieder“ von Friedrich Rückert



Anlässlich einer Aufführung bei den Mahler Wochen Toblach mit Yvonne Naef

Daniel Beyer
Mai - 2011

Papillons für Carlos Kleiber

„Und in dem Wie, da liegt der ganze Unterschied“

Er wollte keine Spuren hinterlassen.
Dass sie unvermindert aufleuchten, er bei all jenen unvergessen bleiben wird,


Meinem Vater zum 80. Geburtstag

„Ohne Musik wär’ alles nichts“ (Mozart)

Lieber Jubilar!

Du wirst es kaum glauben, aber auch bei uns hier
oben gibt es so etwas wie einen Stammtisch.


Interview

„Wie fraget ihr?“

(Meistersinger, 1. Akt)

Interview mit dem Vorsitzenden des Richard Wagner Verbandes München Karl Russwurm,
und dem Dirigenten Daniel Beyer am 19. Juni 2020

KARL RUSSWURM (KR): Liebe Mitglieder, liebe Freunde der Kunst, der Kultur, der Musik und der Oper.
Herzlich Willkommen zu unserer Reihe .

KARL RUSSWURM (KR): Liebe Mitglieder, liebe Freunde der Kunst, der Kultur, der Musik und der Oper. Herzlich Willkommen zu unserer Reihe „15 Minuten – 15 Dezimeter“ in der wir Ihnen Mitglieder und Bekannte des Richard Wagner Verbandes München vorstellen wollen.
Auch heute mit dabei: ein Zollstock, der den nötigen Abstand zu meinem Interviewpartner sicherstellen wird. Ich freue mich, den Dirigenten Daniel Beyer begrüßen zu können, der dem Richard Wagner Verband München angehört und sich seit früher Jugend mit Richard Wagner beschäftigt. Herr Beyer, schön dass es geklappt hat. Auch Ihr Terminkalender ist Pandemiebedingt stark ausgedünnt, sodass sich mehr Freiräume für Sie ergeben, zb. auch für das heutige Gespräch. Zunächst: Sie haben an der Staatlichen Musikhochschule München studiert, Violine, Klavier und Dirigieren. Sind Sie ein „echter“ Münchner?

DANIEL BEYER (DB): Fast - (lacht) - und ich möchte nicht drumherum reden: mein Herz schlägt bayrisch! Allerdings bin ich gebürtig aus Wuppertal, genauer: Elberfeld. Wie ich im Lauf der Jahre übrigens festgestellt habe auch der Geburtsort von Hans Knappertsbusch, Günter Wand, Horst Stein - und Marek Janowski hat dort seine Schulzeit und Jugend verbracht. Also wohl ein „Nabelnest“ - wie Mime gesagt hätte - für Dirigenten...
Als ich zwei Jahre alt war, wurde mein Vater auf eine Professur für Bratsche und Kammermusik an die Musikhochschule München berufen, was den Umzug unserer Familie in den Süden zur Folge hatte. Im Anschluss bzw. parallel zu meiner Schulausbildung habe ich ein Violinstudium an der Musikhochschule begonnen und einige Jahre eine Konzerttätigkeit als Geiger ausgeübt. Sowohl in einem von mir gegründeten Streichquartett, als auch als Gast bei in München ansässigen Orchestern. Ich möchte diese Erfahrungen, bis hin zu „Muggen“ in kalten Kirchen und Filmmusik-Aufnahmen nicht missen.


KR: Wann kam der „Switch“ für Sie, sich für den Beruf des Dirigenten zu entscheiden? Immerhin ja kein Entschluss den man mal so eben nebenbei fasst...?

DB: Diesmal werden vermutlich Sie lachen: es gab ein initiales Erlebnis für mich, und das war eine Aufführung des „Fliegenden Holländer“ an der Bayerischen Staatsoper die mich gepackt und nicht mehr losgelassen hat. Als das Licht ausging und der Dirigent herauskam, (der damals recht junge Leopold Hager) raunte mir mein Vater zu: „Das wäre doch auch ein Beruf“. Dieser Satz ist mir nicht mehr von der Seite gegangen und so habe ich den Kompass danach ausgerichtet. Natürlich konnte ich als 9jähriger nicht ahnen, welche kühnen Träume ich mir da in den Kopf gesetzt hatte. Sie sehen: schon damals hatte also Richard Wagner seine Finger im Spiel. Die Besetzung der Aufführung ist mir noch präsent wie wenn es gestern gewesen wäre: Heinz Imdahl war der Holländer, Ingrid Bjoner die Senta und Kurt Böhme der Daland. Die Inszenierung stammte von Hans Hotter (!) in traumhaft-stimmungsvollen Bühnenbildern von Schneider-Siemssen. Ich habe dann mit 13 Jahren Dirigierunterricht und Harmonielehre bei einem Privatlehrer genommen, und mich mit 15 Jahren als aktiver Teilnehmer eines 4wöchigen Dirigierkurses bei Otmar Suitner an der Sommerakademie des Salzburger Mozarteums im wahrsten Sinn des Wortes „durchgeschlagen“. Suitner war damals GMD der Staatsoper Berlin und hat mich nach einem längeren Briefwechsel zur Teilnahme ermutigt. Unvergesslich bleibt mir, wie er mir nach der Aufnahmeprüfung die aktive Teilnahme bestätigte und in seinen weissen Mercedes Cabrio mit DDR Kennzeichen einstieg.


KR: Sie sind nach Ihren Studien dann den „klassischen“ Kapellmeister-Weg gegangen. Alle Stationen kann ich nicht aufzählen, jedoch möchte ich manche herausgreifen die mir persönlich sehr am Herzen liegen: das Gärtnerplatztheater, die Theater von Chemnitz, Regensburg, und die Wiener Volksoper. Was fällt Ihnen zu diesen Theatern ein, was möchten Sie besonders hervorheben?


DB: Allen von Ihnen genannten Häusern habe ich wichtige, unerlässliche Erfahrungen zu verdanken, vor allem auch meiner Zeit als 1. Kapellmeister und stellvertretender GMD am Theater Ulm, wo ich von „Wiener Blut“ bis „Otello“ alle Hände voll zu tun hatte, übrigens mit einem sehr leistungsfähigen Orchester. Für jeden Kapellmeister schlägt die Stunde der Wahrheit im Operngraben, und es sind die zahlreichen unersetzbaren „Fallschirmsprünge“, um die Höhen, vor allem aber auch die Tiefen des Berufs kennenzulernen. Stücke, welche auf dem Papier geduldig und freundlich zurücklächeln, können am Abend zu einer wahren Slalomfahrt werden; Falltüren tun sich auf, wo man beim Studium nur blühende Wiesen sieht. Am Abend wird dann - speziell bei Übernahmen ohne Probe – schnell klar, auf welch dünnem Eis man sich bewegt. Ich habe vor Werken wie „Martha“ oder auch der „Lustigen Witwe“ gehörigen Respekt. Als ich meinen ersten „Otello“ dirigiert habe, bin ich anschließend 3 Tage ohne Zeit- und Raumgefühl gewesen.

Am Gärtnerplatztheater München ist mir besonders die herrliche „Nacht in Venedig“ Produktion von Ferucchio Soleri in bester Erinnerung, bei der man sich durch die zauberhafte Ausstattung schon selbst wie auf einer Fahrt mit der Gondel gefühlt hat. Chemnitz hatte ich zunächst als interessierter Besucher der hervorragenden Wagner und Richard Strauss Aufführungen wahrgenommen, bis ich dann selbst dort „Hänsel und Gretel“ und „Fledermaus“ dirigiert habe.
Das Theater Regensburg hat mich für ein Sinfoniekonzert eingeladen, welches mich mit der phänomenalen Geigerin Arabella Steinbacher zusammengeführt hat; eine spätere „Eugen Onegin“ Produktion kam leider nicht mehr zustande. Das Theater wurde restauriert, und zwar wunderschön.
An der Wiener Volksoper habe ich mit einer Aufführungsserie „Das Land des Lächelns“ debütiert und wie schon so oft in meiner Laufbahn, hat mir auch dort der ¾ Takt eine wunderbare Zeit beschert! Das Orchester kann spielen wie Samt und Seide, die Professionalität des Hauses ist sehr wohltuend, und einen Kollegen wie Alfred Eschwè, der speziell das „Wiener Repertoire“ im kleinen Finger hat, findet man weit und breit kaum noch. Er hat mich in sehr herzlicher und in kundiger Weise auf das „Glatteis“ entlassen, denn das bleibt nun mal jede Operettenaufführung, vor allem in Wien. Sie sehen, ich lebe noch....(lacht)

KR: Ihr umfangreiches Repertoire spannt einen weiten Bogen, Mozart und die Spätromantik bilden vielleicht einen Schwerpunkt. Sehe ich das richtig?

DB: Durchaus. Mozart ist und bleibt ein Lebenselixier. Die Beschäftigung mit seinem Werk eine ständige Prüfung der eigenen Person und musikalischen Glaubwürdigkeit. Bei jeder von mir dirigierten „Don Giovanni“ Aufführungen beispielsweise habe ich in den letzten 20 Minuten der Scena ultima den „Gluthauch“, das Eindringen des Universums in das reale Leben wie einen Schock erlebt. Mit dem Erscheinen des Komtur, dem d-moll Einschlag der Türe, ist von jetzt auf gleich Schluss mit lustig. Entweder - oder....
Mozarts Musik öffnet grenzenlose Räume. Tiefgang, Glück, Zuversicht und Trauer sind in einer ständigen Wechselbeziehung verbunden. Sie hält einem den Spiegel vor, vermittelt dem Musiker dabei gleichzeitig Selbstwert und Hoffnung – ein sehr seltenes Phänomen!
Dass er diese unfassbare Lebensleistung in nur ca. 30 Jahren schaffen konnte – dazu noch bei widrigen Umständen wie Kerzenlicht, ständigem Herumreisen und einer letztlich unverständigen und intriganten Mitwelt – bleibt unbegreiflich. Treffender wie Leonard Bernstein kann man es eigentlich nicht ausdrücken: „Mozart - ist der göttliche Mozart, und wird es immer sein. Nicht nur ein Name, sondern ein himmlisches Genie, das auf die Erde kam, dreißig und einige Jahre blieb, und als er die Welt verließ, war sie neu, bereichert, und durch seinen Besuch gesegnet.“

Sie haben recht, die Spätromantik nimmt einen größeren Platz meines Repertoires ein, dies hat aber ursächlich schlicht mit den Konzert-Angeboten und auch meinen eigenen Projektrealisierungen zu tun, dass da eine Menge zusammengekommen ist. Aber natürlich ist auch Johann Sebastian Bach ein ständiger Begleiter geblieben und - in allen Lebenslagen – das Alpha und Omega der Musik. Sein tönendes Universum hat Seinesgleichen nicht. Leider wird mit dem sogenannten „Originalklang“ Boom vor lauter Bäumen der Wald oftmals nicht mehr erlebbar, wie ich finde.
Ohne sentimental zu werden: ich habe Aufführungen mit dem inzwischen als „überholt“ angesehenen Karl Richter erlebt, die mir in ihrer Frische, Strenge und dichten Emotionalität bis heute ein Wegzeiger zu Bach geblieben sind....
Von der Wiener Klassik bis zu Strawinsky eine Auswahl oder Vorlieben zu nennen fällt mir sehr schwer. Es ist, wie über einen Markt oder Garten zu gehen: für welche Ware schlägt das Herz, welcher Blume gibt man den Vorzug? Jeder der großen, genialen Komponisten wird immer seine Faszination und Unergründlichkeit behalten. Je länger und intensiver man sich mit den Werken befasst, umso mehr kann man nur staunen – allein über die Schreibarbeit, meist bei Kerzenlicht und in schlecht geheizten Räumen entstanden – welche Werte uns hinterlassen wurden.
Speziell bei der Wiener Klassik sehe ich - im Gegensatz zum weitverbreiteten Trend – wenig Sinn dahinter die „Bürste gegen das Fell“ zu richten, und Gebrauchsanweisungen einzufordern, wie etwas zu phrasieren, rhythmisieren, und in welch genauem Tempo es zu spielen sei.
Niemand von uns war dabei - am aller wenigsten jene, welche am lautesten rufen und meinen, die Telefonnummer von Beethoven persönlich zu besitzen. Ich möchte hier nur ansprechen, dass die Freiheit des Musizierens, wie sie der Jazz laufend praktiziert, nicht einem trockenen Abspielen von Tönen mit dem Rechenschieber weichen sollte.
Wilhelm Furtwängler sagte einmal: „Die Klassiker schlagen zurück“. Daran ist viel Wahres.
Aggressivität und Provokation mögen etwas mit unserer Zeit zu tun haben, nichts aber mit Mozart oder auch Wagner – um zwei sehr unterschiedliche Komponisten zu nennen.

KR: Nun ist das Stichwort Wagner gefallen: Sie sind seit einigen Jahren Mitglied im Richard Wagner Verband München. Wie würden Sie das „Phänomen“ Richard Wagner beschreiben?

DB: Seine Wirkung und Faszination wird von Dauer sein, wie sie es bereits seit seinem Erscheinen in der Musikgeschichte gewesen ist. Selbst die ärgsten Widersacher oder auch Geprellten konnten sich seinem Genie nicht entziehen. Man denke nur an Hans von Bülow oder auch Otto Wesendonck. Wagners einzigartiger Kunstgriff, Stoffe der menschlichen Psyche und Weltgeschichte im Mythos zu verorten, ermöglicht seinen Opern die Ebene der Zeitlosigkeit. Damit hat er sich von allen Vorgängern - und übrigens auch den meisten Nachfolgern – weit abgegrenzt.
Die Inhalte selbst haben dadurch ihre Plastizität, Aktualität, und auch Brisanz stets behalten.
Dass er dabei, wie beispielsweise im „Ring“, mit mehreren Ebenen simultan arbeitet - der Götterwelt, der Menschenwelt und der Zwergen- bzw. “Unterwelt“ - ist einfach unfassbar genial, nimmt ja quasi schon die Technik des Films voraus. Mir persönlich ist übrigens bis heute die Tatsache nicht erklärbar, dass die von Wagner in all seinen Opern als tragendes Handlungselement miteinbezogene Natur ständig ignoriert bzw. gar nicht wahrgenommen wird. Für mich stellen die ständig präsenten Naturelemente eine sozusagen vierte Ebene dar, die zum Verständnis und Erleben der Aussagen und des Bühnengeschehens wesentlich ist. Mülltonnen, Bürolandschaften, Sänger in zerissenen Jeans oder clownesken Aufputzen, fäkalische Aktionen und noch weit Geschmackloseres, welches man seit Jahrzehnten auf den Bühnen über sich ergehen lassen muss, haben mit Wagner rein gar nichts zu tun! Hier ist ein Selbstbedienungsladen des sogenannten „Regietheaters“ ins Kraut geschossen, bei dem die Werke nur noch schlecht zu den Verfälschungen passen die ihnen laufend widerfahren. Wer im Restaurant Bordeaux bestellt, will keinen Urin ins Glas serviert bekommen... Es konnte mir bislang noch niemand schlüssig erklären, warum sich die Regie oftmals dem direktesten Weg verweigert, nämlich Wagners schon filmisch gedachte Optik zu veralbern, ihren Bezug zur Musik zu unterschlagen, in die Banalität zu transformieren und damit dem „Gesamtkunstwerk“ eine Pappnase aufzusetzen. Überall, schon fast militant rennt man dem „Originalklang“ hinterher, auf der Bühne aber regiert der Freistil! Dabei ist nun mal Szene und Musik im Werk Wagners wie Hand und Handschuh verbunden. Eine absurde, geradezu paradoxe Widersprüchlichkeit.
Die immense Wirkung, die Wagners Opern bei Ausführenden und Publikum auslösen kann, wurzelt natürlich in der singulären Sogwirkung seiner Musik. Die von ihm völlig neu entwickelte Klangsprache – Stichwort Leitmotivik und „endlose Melodie“ - bietet letztlich nur zwei Alternativen: entweder man ergreift nahezu panisch die Flucht, oder man ist ihr – um Klingsor zu zitieren - „verfallen“. Ein „dazwischen“, oder ein „bisschen“ ist mir in Bezug auf Wagner bislang nicht begegnet. Er polarisiert, und das nicht zu knapp. Dabei ist gut beraten, wer es damit hält sein (musikalisches) Werk von der Person zu separieren. Oder wie Leonard Bernstein über ihn sagte: „Den Menschen Wagner verachte ich, vor dem Komponisten Wagner knie ich.“
Dies bringt es auf den Punkt, dass einige persönliche Äußerungen, und leider auch jene hinlänglich bekannten antisemitischen Schriften Richard Wagner’s nicht zu entschuldigen sind und zu alledem noch durch die Nazis eine verheerende Vereinnahmung erfahren haben.

KR: Holländer, Lohengrin, Meistersinger, Ausschnitte aus der Walküre und Rienzi weist Ihr Repertoire auf. Welche Besonderheiten möchten Sie erwähnen?

DB: Holländer und Lohengrin konnte ich in verschiedenen Produktionen dirigieren. Die Meistersinger begleiten mich schon sehr lange und ich hatte das Glück durch mehrere Assistenzen, bei welchen ich auch Bühnenproben und Aktdurchläufe leiten konnte, in die Anforderungen „hineinzuwachsen“ - denn bei diesem gigantischen Umfang ist einfach auch die Frage der Einteilung und Kondition eine Grundvoraussetzung. In den Meistersingern lauern viele „Falltüren“ und nach dem 2. Akt, wenn sie die Prügelfuge ohne allzu großen Schaden überstanden haben, möchten sie eigentlich nur noch in das nächste Bierlokal verschwinden und sich der inneren Befeuchtung überlassen. Stattdessen steht Ihnen der 3. Akt bevor, der alleine schon so lange dauert wie die gesamte La Bohème oder Tosca.... Nun ja, was soll erst der Sänger des Hans Sachs sagen?
Beim Holländer ist sehr darauf zu achten, dass man die klangliche Balance in den Griff bekommt, denn die Instrumentation ist doch noch sehr „urwüchsig“ - vor allem in der Urfassung keine leichte Angelegenheit. Wagner war 29 Jahre als er diese umwerfend stringente und packende Oper „ans Land gespült hat!“
Anlässlich einer Lohengrin Aufführung am Staatstheater Cottbus erinnere ich daran, dass nach Lohengrins Ankunft und seinem „Nun sei bedankt, mein lieber Schwan“ im gesamten Theater das Licht ausfiel. Wer da noch an „Magie“ zweifeln möchte.... (lacht)

KR: Weg von den einzelnen Werken, ein wenig hin zur Musik als Urkraft, als Lebensinhalt.
Pfingsten liegt ja noch nicht lange zurück – ohne theologisch oder Kirchen-kritisch zu werden:
Liegt nicht genau in der Musik der Pfingstgedanke, die Möglichkeit zur internationalen Verständigung, wie sie in der Schillerschen/Beethoven`s „Ode an die Freude“ als Wunsch und Utopie besungen wird?

DB: Wie gut, dass Sie diesen Gedanken einbringen und thematisieren. Mehr denn je wäre dem menschlichen Zusammenleben gewünscht, dass es sich auf Inhalte und Werte besinnt. Die Pandemie zeigt doch unmissverständlich, dass der Welt ein Wecker gestellt ist, dessen Läuten bislang verdrängt bzw. ignoriert wurde. Mit jedem Tag mehr sehen wir doch, dass der ganze überhitzte Konsumrausch zu nichts führt, die Einsamkeit beschleunigt und unglücklich macht, denn es besteht nun einmal ein fundamentaler Unterschied zwischen Sucht und Glück.
Wie Wagner sagt: „Des Goldes Herr ist des Goldes Knecht“. Es wäre also endlich ein „Aufwachen“ angesagt, bei dem die kulturellen Errungenschaften, welche letztlich die Identität einer Gesellschaft definieren wieder zu einem niveauvolleren und wertschätzenderen Umgang führen.
Hier ist von der Musik viel zu lernen. Nicht jeder kann gleichzeitig losspielen, ist nicht immer der Solist sondern hat eben auch Pause. Zuhören, Übernehmen, Weiterführen und gemeinsam statt gegeneinander zu agieren sind Grundvoraussetzungen des Musizierens. Wie viel lässt sich davon auf das tägliche Miteinander übertragen! Was das Medium Musik einzigartig macht ist die Verständigung - international – ohne Worte. Wie Viktor Hugo schon sagte: „Musik drückt das aus was nicht gesagt werden kann, und worüber zu Schweigen unmöglich ist“.

KR: Herr Beyer, ich konnte den Eindruck gewinnen dass Sie es sich mit der Vorbereitung Ihrer Engagements nicht leicht machen, anders herum gesagt: Sie bereiten sich intensiv vor. Wie verläuft dieser Prozess der Vorbereitung, schließlich haben Sie anders als ein Instrumentalist oder Sänger Ihr „Instrument“ nicht ständig verfügbar. Außerdem sind es doch oft sehr verschiedene.....

DB: ....Bedingungen und Voraussetzungen denen man gerecht werden muss. Das bringt mich auf den alten Witz: „Aha, sie sind Musiker, und was machen sie tagsüber?“ Nur wer selbst in diesem Beruf tätig ist hat eine Vorstellung davon, wie viel harte, zeitliche und disziplinierte Arbeit notwendig ist, um der Materie gerecht zu werden. Des Lernens ist kein Ende und die Internationalität hat uns alle zu „very best friends“ gemacht, somit den Druck erhöht. Man muss schon mit einem gehörigen Selbstvertrauen und Profil, starken Nerven und auch Ellenbogen in den Ring steigen um seinen Platz zu finden. Den Sensibleren, und oft viel wesentlicheren Musikern ist daher die gegenwärtige Szene eher unheimlich, hat sie sich doch von der ursprünglichen Absicht des Musizierens, Freude und Reflektion auszulösen teilweise recht weit entfernt. Karl Valentin sagt es einfacher: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“.
Klar ist: ohne Resonanz tappt man im Dunkeln, das Sender/Empfänger Prinzip bleibt eine physikalische Wahrheit und damit auch eine Grundbedingung menschlicher Verständigung.
Was will ich damit sagen? Entscheidend bleibt doch die Frage: warum und für wen mache ich Musik, was soll sie im Hörer möglichst bewirken? Gedudel aus allen denkbaren Kanälen haben wir täglich zuhauf, aber die Musik der „Stille“ ist es, die einen beschenkt und Räume öffnen kann.
Somit geht es darum, die Aussagen und wesentlichen Anteile einer Partitur vermitteln zu können.
Ich vergleiche das Erarbeiten einer Partitur – die Analyse, Kenntnis des Textes und der aufführungstechnischen Details sind Voraussetzung – gerne mit dem Kochen. Die Partitur ist das Rezept welches letztlich nüchterne Angaben enthält. Was heißt forte, was pp, wo beginnt ein 8 taktiges Crescendo, bis zu welcher dynamischen Skala soll es führen, in welchem Saal bei welcher Akustik mit welchen Orchestern etc? Geben sie 10 verschiedenen Köchen dasselbe Rezept, werden sie 10 verschieden Resultate bekommen. Nichts anderes erleben sie bei der Realisierung einer Partitur. Der Text bleibt für alle derselbe. Die Auslegung, Inspiration, Annäherung allerdings wird sehr verschieden ausfallen – hier helfen auch Metronomzahlen und Zeitangaben wie sie Bèla Bartok eingeführt hat wenig weiter sondern eigentlich nur das Motto welches Beethoven seiner Missa Solemnis mit auf den Weg gegeben hat: „Von Herzen möge es wieder zu Herzen gehen“.

KR: Wir nähern uns dem Ende unsers Gesprächs, allerdings würde mich noch interessieren:
Was geht in Ihnen – setzten wir den Idealfall voraus – während einer Aufführung vor?

DB: Der schmale Grad zwischen „Verkehrspolizist“ und „Adlerschwingen“ ist wohl jedem Dirigenten bekannt. Höhenflüge stellen sich dann ein, wenn ein gemeinsamer Dialog Fahrt aufnimmt und sich damit auch auf die Zuhörer überträgt. Das Gegenteil kann sehr frustrierend und auch anstrengend sein, vor allem wenn man schon bald bemerkt dass die „Chemie“ nicht stimmt und man aneinander vorbei agiert. Carlos Kleiber hat in solchen Situationen „den Karren laufen lassen“ wie mir immer wieder Musiker aus seiner Stuttgarter Zeit berichtet haben.
Neulich habe ich mit Schaudern einen Satz von Vladimir Horowitz gelesen, welchen er oftmals unmittelbar vor seinen Auftritten sagte: „Und nun gehe ich zum einsamsten Platz der Erde“.
Mir persönlich ist daran gelegen, dass man nach einer gemeinsamen Aufführung glücklicher auseinandergeht, als man vorher zusammengekommen ist.

KR: Letzte Frage: Trotzdem Sie Ihr Terminkalender mit wenig Freiräumen verwöhnt sind Sie Mitglied im Richard Wagner Verband München - ?

DB: Gegenfrage: warum sollte ich es nicht sein? Ich kann nicht allzu viele Veranstaltungen wahrnehmen, möchte aber meine Verbundenheit zum Ausdruck bringen und mich im Rahmen meiner Möglichkeiten einbringen, denn es soll ja weitergehen! Außerdem ist der Verein durch Ihre engagierte und kenntnisreiche Arbeit zu einem Forum interessierter „Wagnerianer“ geworden.
Kompliment Ihnen dafür! Auf dass der Verein auch künftig „blüh` und wachs!“

KR: Lieber Herr Beyer, ich danke Ihnen für das Gespräch, entlasse Sie aber nicht ohne unsere berühmte Komplettierung der folgenden 7 Halbsätze:

1) Wenn ich mir etwas im Traum wünschen dürfte wäre das...?

DB: ....von einem fliegenden Teppich, der es einem ermöglicht die Welt von oben zu betrachten in dem Moment zu landen, wo ein ideales Sängerensemble plus Regisseur für Mozart`s Figaro/Don Giovanni und Cosi fan tutte auftaucht, um sie innerhalb von 3 Tagen in einem wunderbaren Theater aufzuführen, und anschließend alle zu einem Gartenfest mit herrlichem Essen und Trinken zusammenkommen (ohne Masken und Regen)

2) An Wagner fasziniert mich im Vergleich zu Mozart und anderer Komponisten besonders...?

DB: ...dass er die Natur zum Klingen gebracht hat und diese ein wesentliches Handlungselement
seiner Opern ist. Außerdem die Verflechtung von Chromatik und „endloser Melodie“ und die daraus resultierende Wirkung seiner Musik.

3) An Mozart gefällt mir im Vergleich zu Wagner besonders...?

DB: dass er das Weinen lächeln, und das Lächeln weinen lässt.

4) Als GMD der Bayerischen Staatsoper würde ich...?

DB: ...am 1. Januar die „Meistersinger“ aufs Programm setzen, und am 2. Januar allen frei geben.
Außerdem Regisseure willkommen heißen, die dafür garantieren dass die Stücke noch erkennbar sind wenn der Vorhang aufgeht.

5) Ich möchte unbedingt einmal...?

DB: den „Ring“ einmal so erleben, wie er Wagner vorgeschwebt hat - (dürfte wohl eine Utopie bleiben)

6) In den letzten Wochen hatte ich endlich einmal Zeit...?

DB: ...meine Bibliothek zu ordnen, wieder mehr Klavier zu spielen und viel in der Natur zu sein.

7) Für die Zukunft wünsche ich mir...?

DB: ... wieder ein Leben ohne Masken, Gesundheit, und das Lebensglück mit meiner Frau zu teilen.


Die schönste aller Lohengrin Inszenierungen

„Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist.“

"Die Fledermaus" - Johann Strauß

Ein weltbekanntes Orchester ist auf Israeltournee. An einem Ruhetag ...

Ein weltbekanntes Orchester ist auf Israeltournee. An einem Ruhetag zwischen den Konzerten macht das Orchester einen Ausflug zum See Genezareth, wo sich die Musiker am Ufer sonnen.
Nur ein Bratscher hat sich abgesondert und unterbreitet seinem Gott, wie wenig Anerkennung er bei seinen Kollegen findet und wie sehr er unter ihrem Spott leidet: „Herr, ich will nicht mit meinem Schicksal hadern, aber tue auch Du einmal ein Wunder an mir. Lass mich über das Wasser gehen!“
Und Gott hört ihn. Der Bratscher steht auf, geht zum Ufer und schreitet über das Wasser.
Von weitem sehen ihn die Kollegen über das Wasser gehen. Da tippt der Konzertmeister dem Dirigenten auf die Schulter und zeigt auf den See: „Typisch! Noch nicht mal schwimmen kann er“.

*

Der liebe Gott wandelt unerkannt auf Erden.
Plötzlich sieht er am Weg einen Mann sitzen der bitterlichst weint. Er setzt sich zu ihm und sagt:
„Guter Mann, was fehlt dir? Für alles gibt es Hilfe und ich kann dir sicher helfen“.
Da sagt der Mann unter heftigem Schluchzen: „ Nein, nein – mir kann niemand helfen, nicht mal der liebe Gott!“ Da gibt sich Gott in aller Pracht zu erkennen und sagt: „Nenn mir den Grund, und dir wird geholfen werden“. Da sagte der Mann tränenüberströmt: „ Ich bin Dirigent“.
Darauf setzte sich auch der liebe Gott nieder und fing bitterlich an zu weinen.

*

Ein Mann steht vor einer Tierhandlung und liest das Schild: Hier finden sie außergewöhnliche Papageien. Er betritt den Laden und sieht wunderschöne Exemplare in den prachtvollsten Farben.
Er deutet auf den Papagei im ersten Käfig und frägt den Verkäufer: „Was ist außergewöhnlich an ihm?“ Der Verkäufer: „ Er ist hochtalentiert, pfeift mühelos die Arien der „Königin der Nacht“ und beherrscht Schillers „Glocke“. Für 2.000.- Euro gehört er ihnen“
„Und dieser?“ Der Kunde deutet auf einen weiteren Papagei, der Preis am Käfig ist mit 5.500.- Euro angegeben. Der Verkäufer: „Ein wahres Multitalent! Pfeift sämtliche Arien des Belcanto-Fachs in den jeweiligen Stimmregistern, transponiert falls gewünscht, und hat sämtliche Taktwechsel von Strawinskys „Sacre du printemps“ fehlerlos parat.“ Der Kunde staunt....
Ein weiteres Exemplar in einem vergoldeten Käfig ist mit 13.000.- Euro ausgestellt. Blau-orange und hellgrün schillert er besonders schön.
„Und was können sie mir zu diesem sagen? Der Preis ist ja recht stolz!“
Der Verkäufer: „Zu Recht!! Es handelt sich um ein Unikat aus der direkten Nachfahrenslinie von Richard Wagners legendärem Papagei „Feps“. Er beherrscht sämtliche Leitmotive des „Ring“ chronologisch und auch in umgekehrter Reihenfolge, bewältigt Siegfried und Tristan hintereinander und hat ein philosophisches Traktat zum Thema Wagner/Nietzsche in Rätselform entwickelt.
Außerdem ist er ein wahres Rechengenie - wohlgemerkt immer zu Ihren Gunsten.
Der Kunde ist fassungslos, überlegt. Dabei fällt ihm weiter hinten im Laden in einer Ecke ein zerzauster, unansehenlicher und mürrisch dreinblickender Papagei auf. Er liest den Preis auf dem Käfig, traut seinen Augen nicht: 46.000.- Euro! Irritiert frägt er den Verkäufer: „Bitte, was kann denn dieser Papagei? Dem Preis nach müsste er ja....?“ Der Verkäufer errötet, stiert auf den Boden und schweigt. „Na? Was können Sie mir denn zu ihm sagen?“ fragt der Kunde nach.
Der Verkäufer atmet durch, sieht den Kunden an und sagt:
„Dieser kann überhaupt nichts. Aber die anderen 3 sagen „Maestro“ zu ihm.“

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Herbert von Karajan mit dem Sonderzug auf der ersten Deutschlandreise nach seiner Wahl zum Chef der Berliner Philharmoniker. Der Zug hält in Bielefeld. Karajan sieht aus dem Fenster und sagt: „Bielefeld, da hab ich mich auch mal beworben – nicht mal eine Antwort hab ich bekommen.“
Darauf sein damaliger Agent Berry trocken: „Vielleicht probieren Sie es jetzt nochmal....“

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Karl Böhm wird bei einem Japangastspiel in den 1960er Jahren zu einem japanischen Essen eingeladen.
Der Versuch mit Stäbchen zu essen misslingt vollständig, worauf er recht entnervt meint: „Mit aam Staberl konnt i mi bisher gut ernährn, mit mit zwaa müsst i verhungern“.

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Eine ältere Dame sprach Richard Strauss nach einer Aufführung seines 1. Hornkonzertes an: „Das war ja wirklich erstaunlich! Macht der Spieler das alles mit seinem Mund?“ Strauss, ganz trocken: “Na das will ich doch sehr hoffen.“

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Ein Kapellmeister spricht Richard Strauss auf eine Stelle im 2. Akt seines „Rosenkavalier“ an:
„ Finden Sie nicht, diese Takte erinnern deutlich an Pfitzner?“. Darauf Strauss: „ Stimmt, genau die sind mir überhaupt nicht gelungen.“

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Kurz vor der Uraufführung seiner „Elektra“ saß Richard Strauss im Parkett der Dresdner Hofoper und verfolgte eine der letzten Proben. Da das bevorstehende Ereignis auch den Zuschauerraum in bester Verfassung präsentieren sollte, wurden – ausgerechnet in jener Probe - alle Stühle und ihre Polsterung überprüft. Geräuschvoll klappte der eingeteilte Mitarbeiter jeden Stuhl runter und wieder rauf, was Ernst von Schuch am Pult gehörig irritierte. Schließlich brach er ab und rief: „ Was soll das denn? Was sucht der Mann denn da im Saal?“ Darauf Strauss: „Einen Dreiklang!“

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Hans Knappertsbusch erschien meist sehr knapp vor Vorstellungsbeginn, Proben waren KNA außerdem lästig. Vor einer „Meistersinger“ Aufführung an der Bayerischen Staatsoper rief er dem Inspizienten auf dem Weg zu seiner Garderobe zu „Wer singt denn heute den Stolzing?“ Der Inspizient antwortete: „Der Windgassen“ KNA: „Was? Singt der immer noch?“
„Nein, Herr Knappertsbusch, es ist der Sohn“
Darauf KNA: „Was? Singt der auch schon..??
(Es handelte sich um Fritz und Wolfgang Windgassen)

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Sergiu Celibidache auf Gastspiel mit den Münchner Philharmonikern in seiner Heimat Rumänien.
Wie stets von ihm bevorzugt, lässt er sich die Gage in bar ausbezahlen, in rumänischer Währung sicherlich ein respektabler Haufen Papier....
Nach dem Konzert wird das Künstlerzimmer von Verwandten, Fans und einer Riesenmenge Konzertbesucher „geflutet“. Um das Geld nicht offen herumliegen zu lassen, legt Celibidache es kurzerhand auf einen Schrank. Nach den ausgiebigen Gratulationen und Autogrammen vergisst er, das Geld vom Schrank zu holen, was ihm erst auf der Rückreise einfällt.
Drei Jahre später: wieder ist er mit den Münchner Philharmonikern auf Rumäniengastspiel, dieselbe Stadt, der gleiche Saal, dasselbe Künstlerzimmer. Ihm fällt das vergessene Geld auf dem Schrank ein, worauf er auf einen Stuhl steigt und zweierlei findet: zentimeterdicke Staubschichten und das gesamte Bündel Geldscheine.....

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Während der Aufnahme zu Haydns „Schöpfung“ 1966 in Berlin, winkt Karajan den Tenor Fritz Wunderlich zu sich. „Herr Wunderlich, ich möchte mit Ihnen noch kurz eine Stelle klären. Sehen Sie, ich stelle mir vor es sollte folgendermaßen klingen.“ (Er brummelt ihm im tiefsten Baß eine undefinierbare Tonfolge vor.) Darauf Wunderlich: „Ja, Maestro, SO kann ich`s auch....“

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Karajan`s Wagen wird bei der Anfahrt zum Parkplatz der Berliner Philharmonie von dem eines Geigers der Philharmoniker geschrammt. Er dreht die Scheibe herunter und brummt: „Nicht mal mehr vor den eigenen Leuten ist man sicher“.

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„Ich habe versucht Beethoven zu spielen, David hat geglaubt, er spielt Beethoven. Sviatoslav spielte wie immer nur sich selbst und Karajan glaubte, er ist Beethoven.“
Mstislav Rostropowitsch über die Aufnahme des „Tripelkonzerts“ von Beethoven in Berlin 1969 mit den Kollegen David Oistrach und Sviatoslav Richter

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Anlässlich einer „Tristan“ Aufführung an der MET mit Birgit Nilsson als Isolde kam es dazu, dass sowohl nach dem 1. Akt, als auch nach dem 2. Akt die Sänger des Tristan aufgaben. Als vor dem 3. Akt ein weiterer Tenor nachbesetzt wurde ging Nilsson auf ihn zu und sagte. „Guten Abend, mein Name ist Birgit Nilsson, und wie heißen Sie??“

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Anlässlich einer „Bohème“ Probe an der MET bekam Arturo Toscanini wieder einmal einen seiner legendären Wutanfälle, bei dem er den Sänger des „Rodolfo“ heftig und wiederholt mit Schimpftiraden traktierte. Nachdem dieser, ein relativ unbekannter Tenor, eine Weile den Zorn Toscanini`s über sich ergehen ließ ging er an die Bühnenrampe und sagte:“ Maestro, vergessen Sie nicht, die Leute kommen um mich von vorne zu hören, und nicht um Sie von hinten zu sehen.“
Tacet....

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